Im Interview: BHF


Das Interview wurde von Martin aus Graz geführt. Die Antworten gab Andi. Danke dafür!

Nachhaltigkeit? Aber hallo! Immerhin sind BHF bislang die einzigste Band im Dunstkreis der Late for Life-Tätigkeiten, welche schon zweimal selbst zu Wort kommen konnte (ein früheres Interview findet sich in der fünften Ausgabe des Young and Distorted). Auch sonst legen die ehemals rein auf Deutsch agierenden Punkrocker viel Wert auf Bestand, z.B durch fairen Konsum. Stillstand ist allerdings nicht ihr Ding, und so war die Gelegenheit für einen kleinen Statusbericht von Gitarrist Andi anlässlich der vielen Veränderungen seit damals recht günstig….

Hey, Andi. Danke, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Vielleicht eine kurze Beschreibung zu Beginn für all jene, die euch noch nicht kennen….
Andi: Hey, Martin! Zuallererst mal Danke, dass du uns die Gelegenheit gibst ein bisschen was über uns zu erzählen. Bei der Beschreibung tu ich mir immer ein bisschen schwer aber ich nenn halt einfach mal die Eckdaten, der Rest wird sich ja wahrscheinlich im Laufe des Interviews ergeben. Wir sind eine HC/Punk-Band aus Wr. Neustadt. Geben tut’s uns seit 2007 und seit ca. 1 1/2 Jahren spielen wir jetzt in der aktuellen Besetzung mit Döme (Schlagzeug), Franz (Bass) und mir (Gesang/Gitarre).

Ihr seid ja im Rahmen der Veröffentlichung eures neuesten Tonträgers „Ignorance is Bliss“ eure erste längere Tour gefahren. Ein genereller Eindruck?
Andi: Wir sind ja bereits bei der Veröffentlichung unseres ersten Albums eine Woche auf Tour gewesen und wussten ungefähr was auf uns zukommt. Bei der „Ignorance is Bliss“ waren’s jetzt zwei Wochen und zusammengefasst war’s spitze. Der Großteil der Shows war cool, die Leute die wir kennenlernen durften waren nett und gegenseitig sind wir uns auch nicht allzusehr auf die Nerven gegangen.

Schön zu hören! Tourbooking in Eigenregie scheint ja ab einer gewissen Größenordnung ein doch recht schwieriges Unterfangen zu sein. Ihr habt es glaub ich geschafft, 9 Termine in 13 Tagen unterzubringen. Würdest du rückblickend sagen, dass da bezogen auf Zeit, Motivation und vorhandenen Kontakten noch etwas mehr gegangen wäre?
Andi: Klar versucht man für jeden Tag den man unterwegs ist auch eine Show zu bekommen und an unserer Motivation ist es auf alle Fälle nicht gescheitert. Man muss halt auch sehen, dass wir vor allem was das touren betrifft noch ziemlich am Anfang stehen. Uns kennt halt außerhalb von Österreich quasi niemand und da fehlen dann natürlich auch die persönlichen Kontakte zu Bands und Veranstaltern. Die letzte Tour ist quasi ausschließlich durch Hilfe von Bands aus dem Neustadtpunk Umfeld zustande gekommen, die uns ihre Kontakte gegeben haben. Das ist natürlich eine super Sache von der wir profitieren aber im Endeffekt musst du trotzdem mit dem was du machst überzeugen und da hilft halt nur möglichst viele Shows spielen und sich ständig weiterzuentwickeln.

Das Konzept „Neustadtpunk“ ist diesbezüglich fürwahr eine super Sache, da die dort „untergebrachten“ Bands meiner Meinung nach nicht nur umtriebig, sondern auch durch die Bank qualitativ hochwertig sind. Im Umfeld des Kollektivs bewegt sich ja unter Anderem auch das hiesige Label „Laserlife Records“, bei denen ihr gegenwärtig Obdach gefunden habt. Wie ist der Deal zustande gekommen?
Andi: Das war eigentlich recht unkompliziert. Ich hab damals mit Harry von Laserlife Records gesprochen und ihm gesagt, dass wir eine 7inch aufnehmen und ob er Bock darauf hat die Platte auf Laserlife rauszubringen. Er hat mir dann gleich zugesagt und so ging dann alles seinen Weg.

Nun bist du mittlerweile auch selbst quasi „Teilhaber“ am Label. Herzlichen Glückwunsch nochmaligst von mir! Möchtest du den geneigten Lesern vielleicht noch einen Ausblick auf zukünftige Pläne und Veröffentlichungen geben, sofern vorhanden?
Andi: Danke. Zurzeit haben wir ja schon einen recht großen Roster an Bands und unsere Unterstützung wird sich auch zukünftig größtenteils auf diese Bands konzentrieren. Nichtsdestotrotz sind wir natürlich immer offen für neue Sachen und haben auch zurzeit ein paar Anfragen von Bands. Da wir aber als kleines Label sehr beschränkte Ressourcen haben muss man natürlich immer nachdenken was für uns und auch die Bands Sinn macht.

Man darf also auf jeden Fall gespannt sein! Kommen wir nach diesen zugegebenermaßen sexy Ausschweifungen auf BHF und vor allem „Ignorance is Bliss“ zurück. Den von dir erwähnten „1 1/2 Jahren in der aktuellen Besetzung“ gingen ja zwei doch essentielle Veränderungen seit eures Debütoutputs „Profit über Menschen“ voraus. Einerseits der Ausstieg eures Sängers Stefan, andererseits die Umorientierung hin zu mehr englischsprachigem Material…
Andi: Beides hängt unmittelbar zusammen. Ich persönlich habe schon immer eher zu englischen Texten tendiert. Stefan fühlte sich jedoch wohler dabei deutschsprachige Texte zu schreiben und zu singen. Wir haben uns deshalb damals dazu entschieden deutsche Texte zu schreiben. Während der Arbeit an „Ignorance is Bliss“ hat uns Stefan mitgeteilt, dass er die Band aus verschiedenen Gründen verlässt. Wir haben dann nach längerem Hin und Her entschieden zu Dritt weiterzumachen und aus Mangel an Alternativen wurde ich zum Singen verdonnert. Da ich, wie oben bereits erwähnt, zu Anfangszeiten schon eher englische Texte bevorzugt habe und die beiden Anderen dem auch nicht abgeneigt waren, schreiben wir unsere Texte halt jetzt auf Englisch. Der Text zum Song „Menschen-Ideale-Macht“ auf unserer 7inch, stammt übrigens noch von Stefan und wird wohl der letzte deutschsprachige Song für längere Zeit sein.

Das deckt sich mit meinem Eindruck, dass dir die englischen Titel sowohl auf Platte als auch live wesentlich besser zu Gesicht oder besser gesagt, zu Stimme stehen. Allerdings finde ich auch, dass das Deutsche den Inhalt der Songs näher an sich heranlässt, sofern man der Sprache mächtig ist. Würdest du diese Ansicht teilen? Und gab es positive/negative Reaktionen von Fanseite aus?
Andi: Mich persönlich kann ein guter englischer Text genauso bewegen wie ein deutscher. Dass man die jeweilige Sprache versteht ist natürlich Voraussetzung und da ist es meiner Meinung nach eher von Vorteil Englisch zu singen. Es gab schon ein paar Leute die meinten, dass es schade sei, dass wir nicht mehr auf Deutsch singen. Auf der anderen Seite bekamen wir jedoch auch einiges an positivem Feedback. Für uns selbst war das eigentlich kein großes Ding und wir sind nach wie vor der Meinung, dass es eine gute Entscheidung war.

Vielleicht vor allem auch deshalb, da deutschsprachiger Punkrock ja scheinbar nach wie vor unter der gängigen und eindimensionalen Schublade „Deutschpunk“ archiviert wird. Spontan ist mir da wieder die Anekdote von eurer Supportshow für SS-Kaliert in Wien eingefallen. Obwohl diese Band doch durchaus politischen Gehalt hat, wusste das Publikum wohl wenig mit euch anzufangen…
Andi: Das ist zumindest die Erfahrung die wir gemacht haben, dazu muss man aber sagen, dass wir Anfangs auch eher Deutschpunk gemacht haben und uns erst im Laufe der Zeit in eine andere Richtung entwickelt haben. Jemand der Deutschpunk hört findet ja nicht automatisch alles andere schlecht, von daher war das alles halb so schlimm. Die SS-Kaliert Show war da eigentlich der einzige Fall wo man sagen könnte, dass sich da wohl niemand im Publikum für das was mir machen interessiert hat.

Also stand es nie zur Debatte, in Deutschland als Aushängeschild von „Nix Gut Records“ Fuß zu fassen?
Andi: Haha, wir haben mit „Nix Gut“ nichts am Hut und die wohl auch nicht mit
uns.

Wer weiß, wer weiß ;-).  Gegenwärtig stehen die Zeichen jedenfalls auf melodischen Hardcore-Punk, der mich mehr denn je an THE UNSEEN und so manche Schwedencombo erinnert. Zu den Texten: Der Titeltrack von „Ignorance is Bliss“ ist textlich ja insofern hochaktuell, als dass am 1.April dieses Jahres wohl die Vorratsdatenspeicherung verabschiedet wird, um mit Riesenschritten dem Prinzip „Überwachungsstaat“ und der Reduktion der Privatsphäre auf ein Mindestmaß entgegenzuhecheln. Überhaupt seh in Graz momentan unentwegt Polizeiautos durch die Straßen patroullieren… Gibt es denn deiner Meinung nach irgendeinen positiven Effekt in dieser Entwicklung?
Andi: Welchen positiven Effekt soll die Entwicklung zu einem Überwachungsstaat denn haben?

Mehr sogenannte „Sicherheit“ und den Vorteil, sich noch weniger Gedanken machen zu müssen in einer heilen Welt mit dreimal täglich Einheitsbrei zum Essen?! Naja, der Begriff Sozialstaat wird dadurch natürlich mehr als ohnehin schon ad absurdum geführt, aber sonst…
Mit Fangfragen kann man dich also nicht foppen ;) Ein paar Worte mehr zum
zweiten Lied „G184“ dürfen es aber schon sein. Ich hab mich ehrlich gesagt nicht eingehender mit dessen Thematik beschäftigt, las aber etwas von einer Oppositionsbewegung gegen politische Amtsträger in Haiti. Stimmt das und worum geht es hier genau?

Andi: Bevor ich deine Frage beantworte möchte ich schon noch gerne was zum Thema „Sicherheit“ sagen. Das Argument wird doch nur benutzt um Ängste zu schüren. Verängstigte Menschen neigen dazu keine Fragen zu stellen und jemandem, der sagt wo’s lang geht, blind zu folgen. Mich persönlich verängstigt der Gedanke an eine Welt in der jeder meiner Schritte
gespeichert wird und es verboten ist unangenehme Fragen zu stellen weit mehr. G184 war eine Vereinigung in Haiti, bestehend aus ehemaligen Mitgliedern der Militärregierung und anderen Angehörigen der haitianischen „Elite“. Das einzige Ziel, dass diese Vereinigung verfolgte war der Putsch des demokratisch gewählten Präsidenten von Haiti, Jean-Bertrand Aristide. Aristide war den Eliten in Haiti und auch der EU und USA ein Dorn im Auge, weil er für haitianische Verhältnisse relativ viel für die arme Bevölkerungsschicht, die einen Großteil der haitianischen Bevölkerung ausmacht, getan hat. Zu den Mitteln durch die eine größere Veränderung in Haiti verhindert wurde gehörten Verleumdungskampagnen, einfrieren von
Entwicklungshilfegeldern und natürlich auch systematische Gewalt gegen die Bevölkerung und schlußendlich die Absetzung des Präsidenten durchgeführt durch Ex-Militärs, initiiert durch die G184 und finanziert durch die EU und die USA unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe. Das ist jetzt nur kurz umrissen aber fasst das Ganze recht gut zusammen, denke ich.

In beiden Fällen kann ich dir uneingeschränkt beipflichten! Vielen Leuten, die in naher Vergangenheit eines eurer Konzerte besuchten, wird vielleicht auch die zunehmende Dichte an Liedern auffallen, die zu einem gewissen Grad Einblick in deine Persönlichkeit gewähren. Als solches würde ich auch den Rausschmeißer „Exspectations contra Opportunities“ hernehmen. Welche Bedeutung hat der Text für dich?
Andi: Im Grunde geht’s einfach ums Auseinandersetzen mit dem Erwachsenwerden und den Erwartungen die andere in einen setzen. Ich persönlich kann mich mit dem Gedanken, von 9-5 arbeiten gehen usw. als Lebensinhalt, nicht anfreunden. Die Musik und speziell die Band bietet da halt eine gewisse Zuflucht um dem Ganzen zu entgehen. Andererseits ist mir natürlich klar, dass ich das nicht ewig machen werde und der Gedanke was danach kommt beschäftigt mich einfach. Dazu kommt eben noch, dass man von klein auf vermittelt bekommt, dass man gewisse Erwartungen zu erfüllen hat und dazu gehört in den meisten Fällen eben nicht, dass man als Erwachsener in einer Punk-Band spielt.

„Late for Life“ for life also :) Ein perfekter Schlusssatz eigentlich, aber eins interessiert mich dann doch noch. Bei „Erwachsenen in einer Punk-Band“ musste ich unweigerlich auch an ein paar „alte Hasen“ des Geschäfts wie z.B Keith Morris, Joey Shithead oder auch die Koller-Brüder von Sick of it All denken. Erzähl mir noch ein wenig von dem Umstand, ein Geschwister (Franz) in der Band zu haben. Und wie haben eure Eltern auf die „Krawallbrüder“ reagiert?
Andi: Wir denken da gar nicht viel darüber nach. Es ist natürlich von Vorteil wenn man die Menschen mit denen man Musik macht gut kennt und sich quasi blind versteht. Da genügen dann oft Blicke und der Eine weiß was der Andere will. Da zähl‘ ich den Döme aber auch dazu, da wir uns seit Ewigkeiten kennen. Unsere Eltern sind eigentlich begeistert, dass wir das machen. Bei uns war Musik schon immer wichtig und es gehört quasi zum Pflichtprogramm ein oder mehrere Instrumente zu spielen. Von daher haben sie uns von Anfang an unterstützt in dem was wir tun, auch wenn es ihren Musikgeschmack wohl eher nicht trifft.

Ok, kurz und bündig: Beste Tour-Begebenheit und weitere Pläne für BHF in der nächsten Zeit.
Andi: Franz und Döme nach zwei Bier. Derzeit planen wir gerade unsere nächste Tour im Mai, und Ende September geht’s ins Studio, wo wir unser neues Album aufnehmen werden.

Andi, vielen lieben Dank für das Interview! Noch etwas Abschließendes?
Andi: Danke dir! Abschlussworte sind nicht mein Ding aber vielleicht ein bisschen Werbung. Schaut auf unsere Homepage http://www.bhf-music.at.tf und kommt zu unseren Shows. Danke!

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von Alex Durante

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